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Mein Leben, Hashimoto und ich: Die Diagnose

written by Desiree

Ich leide offiziell seit meinem 19. Lebensjahr an Hashimoto. Die Ärzte vermuten aber, dass die Krankheit im Alter von ca. 13 Jahren ausbrach. Seitdem lebe ich jeden Tag mit meiner, wie ich sie nenne, Schildkröte. 😉

Aber was ist eigentlich dieses Hashimoto?

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt. Hier wird das Schilddrüsengewebe infolge eines fehlgeleiteten Immunprozesses zerstört. Wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet, hier ein Link: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Hashimoto-Thyreoiditis

Mein Leben kurz vor der Diagnose Hashimoto

Ich glaube, ich brauche euch nicht zu sagen, was man im zarten Alter von 18 Jahren so im Kopf hat 😉 Ich war jung, gutaussehend 😛 und bei jeder Party dabei. Ich habe es geliebt zu tanzen und die Welt zu erkunden. Zu dieser Zeit war ich mitten in der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten bei einem Allgemein Mediziner. Und so langsam schlich sich die Müdigkeit ein. Zu der Müdigkeit musste ich leider Veränderungen an meinem Körper feststellen. Trotz wöchentliches Tanz-Training und 5 Trainingstagen im Fitnessstudio, habe ich zugenommen. Natürlich habe ich auch mal einen Burger oder eine Pizza gegessen. Aber davon nimmt man doch nicht zu!?

Die Müdigkeit hat rasend schnell Überhand genommen.

Ich bin jeden Tag in meiner Mittagspause nach Hause gefahren um zu schlafen, damit ich den Tag überstehe. Am Wochenende bin ich nicht mehr feiern gegangen, sondern habe das Bett nur zum Essen und um auf die Toilette zu gehen verlassen. Ich habe quasi durchgeschlafen. Und trotzdem war ich nie ausgeschlafen. Ich war dauermüde. Dies hatte zur Folge, dass ich kaum noch Sport gemacht habe. Aber das allerschlimmste war, dass ich binnen von einem knappen Jahr über 25kg zugenommen habe. Keiner konnte sich erklären, was mit mir los war. Meine Mutter hat heimlich mein Zimmer durchsucht, weil sie vermutete, dass ich heimlich esse.

Eines Tages stand ich total aufgelöst bei meinem Chef im Behandlungszimmer und bat ihn mir zu helfen. Er nahm mir Blut ab, untersuchte mich und fand absolut nichts. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber nicht, dass er schon an Demenz litt und es schlicht und ergreifend übersehen hat. Und somit stand ich da, als gefrässiger Hypochonder.

Ich habe meine Ausbildung dort zu Ende gemacht und bin nie wieder in die Praxis. Direkt danach habe ich eine zweite Ausbildung in einem Konzern begonnen. Ein paar Monate nachdem ich dort angefangen habe, bekam ich eine ganz schlimme Grippe und musste 2 Wochen zu Hause bleiben.

Eines Mittags, am Esstisch, sagte mein Papa zu mir, dass ich einen ganz dicken Unterhals habe. Wie ein Kropf. Er würde sich Sorgen machen (und das bedeutet für mich, dass wirklich was sein muss, denn er macht sich nicht so schnell Sorgen), da seine Mutter das auch hatte. Er glaubt, ich habe was an der Schilddrüse. Okay, ich probiere es auf ein neues und bin zu einem anderen Arzt.

Mein neuer Hausarzt hat mir Blut abgenommen und am nächsten Tag, als die Werte da waren, mich sofort in die Praxis bestellt. Die Ärztin hat mich angeschaut und gesagt, dass sie bei einem so jungen Mädchen noch nie so einen hohen Wert gesehen hat. Mein TSH-Wert, der einen Normalwert von 0,3-2,5 hat, lag bei über 50. Und mein Entzündungswert im Körper war auch dramatisch hoch. Ich wurde direkt zu einem Radiologen geschickt und meine Schilddrüse wurde auf den Kopf gestellt.

In dieser Woche kam dann die endgültige Diagnose: Hashimoto – Thyreoiditis.

Ganz toll. Ich bin 19 Jahre alt, fett, dauermüde, antriebslos, meine Hände zittern unkontrolliert und ich habe es gehasst!

Aber wie geht man jetzt damit um? Lässt man sich jetzt gehen? Lässt man die Krankheit über sich herrschen?

Ich hatte wirklich viele Fragen, auch an mich selbst.

Und deswegen möchte ich hier öfters darüber schreiben und damit vielleicht auch anderen Betroffenen helfen.

Lasst mir gerne ein Kommi da und erzählt mir, wie es bei euch war. Ich freue mich auf jede Story. 

11 comments

Claudia Spielmann 21/07/2017 at 10:54

Hallo Leidensgenossinen,

ich habe auch Hashimoto und die letzten 6 Jahre unter den gleichen Symptomen gelitten. Seit April ernähre ich mich glutenfrei und seitdem fühle ich mich wieder frei, fit und habe schon 12 kg abgenommen! Mit geht es dabei gut! Probiert es aus, vielleicht funktioniert es ja auch bei Euch. LG Claudia

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Iris 18/07/2017 at 10:27

Danke, das muntert auf. Mir geht es ähnlich, nur dass meine Ärzte so ziemlich alles ignorieren (mittlerweile gehe ich nicht mehr zum Arzt). Du machst Mut!

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Desiree 18/07/2017 at 12:09

Liebe Iris, Danke für dein Feedback. Das bestärkt mich darin, darüber zu sprechen.

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Lena 17/07/2017 at 15:50

Es ist so ätzend, wenn ein Arzt etwas nicht entdeckt! Hab dich lieb :-*

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Nina 17/07/2017 at 01:43

Hallo liebe Desiree,

vielen Dank für den Beitrag, ich habe mich direkt angesprochen gefühlt.
Ich selber habe Hashimoto auch so um den 18ten Geburtstag (ich bin jetzt 30) diagnostiziert bekommen. Seitdem muss ich jeden Tag und mein ganzes Leben lang meine Tablette morgens schlucken.
Damals sagte man mir, dass ich kaum oder gar nicht fruchtbar sein würde und das war natürlich ein Schock. Viele Jahre lebte ich in dem Glauben, ich würde niemals Kinder bekommen und tatsächlich wurde ich schluderig, was Verhütung anging. Nach über einem Jahr mit meinem Freund bin ich aber doch schwanger geworden und meine Tochter ist gesund und munter auf die Welt gekommen und mittlerweile schon 1,5 Jahre alt.
Ich merke aber immer die Symptome von Hashi, ich bin genauso wie du dauermüde und neige außerdem zu Depressionen. Leider habe ich in der Schwangerschaft dadurch 28 kg zugenommen, von denen immer noch genügend über sind und ich sie einfach nicht wegbekomme… Außerdem habe ich starken Haarausfall, der überhaupt erst dazu geführt hat, dass ich mich hab durchchecken lassen. Mittlerweile ist es deutlich besser, aber ich muss dennoch täglich die Wohnung saugen… 😀 Da sind noch einige Symptome mehr, wie Vergesslichkeit usw..
Was bei mir noch dazu kommt, ist ein Knoten in der Schilddrüse, der unter Dauerbeobachtung steht. Gott sei dank, hat er sich aber seit der Erstdiagnose nicht verändert.
Aiaiai, genug gejammert. Kurz gesagt: Du sprichst mir aus der Seele und ich hoffe, dass Hashi besser erforscht wird.
Vielleicht schreibe ich auch nochmal einen Beitrag dazu, du inspirierst mich gerade dazu und es tut gut, es sich von der Seele zu schreiben 😉

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute!

Liebe Grüße, Nina

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Kuku 16/07/2017 at 23:56

Ich habe 2014 die schlimmsten Erfahrungen meines Lebens wegen hshimoto gemacht😔ich hatte unzählige Symptome wo ich dachte ich werde sterben. Keiner wollte mir glauben und ich würde immer als psychisch kranke hypochonder abgestempelt. Von allen Ärzten, Menschen um mich herum. Ich wanderte vom Krankenhaus zu Krankenhaus, Von einer Notaufnahme ins nächste. Fats jeden Monat stand mindestens 2 x ein Krankenwagen vor meiner tür und ich würde ins Krankenhaus gefahren. Aus „unerklärlichen“ Gründen bekam ich plötzlich Herzrasen, Panik, Luftnot und und und und. Und jedesmal hieß es es ist die Psyche. Meine Geschichte ist lang und das war nur wirklich eine Kurzfassung. Seit dem ist mein Leben ganz anders geworden. Ich bin leider nicht mehr das was ich mal war. Aber ich gebe nicht auf. Ich Kämpfe weiter. Auch wenn es mir immer noch ab und an schlecht geht ( hab nebenbei auch viele andere Mängel). Am schlimmsten ist aber meine Angst was noch geblieben ist. Und das ich so erschöpft bin. Ich hoffe nur das ich wieder mal so fit werde wie 2014, bevor die Krankheit ausbrach. Ich muss dazu sagen, mein Hashi würde 2008 schon diagnostiziert aber kein Arzt hat es behandelt. Damals war ich auch ziemlich unerfahren was die Krankheit betraf bis 2014. Also von 2008 bis 2014 lieg ich unbehandelt rum bis ich komplett zusammenbrach. Traurig aber die meisten Ärzte haben keine Ahnung von der krankheit. Ich könnte noch so einiges aufzählen was ich durchgemacht habe aber dann wird mein Text zuuu lang😊

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Desiree 17/07/2017 at 00:01

Liebe Kuku, das hört sich ja furchtbar an. Leider ist die Krankheit noch nicht so gut erforscht. Deswegen müssen wir umso stärker sein. Bleib stark und lass uns weiter kämpfen

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Stella 16/07/2017 at 22:23

Ganz so lange hat sich das ganze nicht gezogen, aber ich habe auch Hashi und weis wie du sich fühlst und wie sich das anfühlt wenn man verzweifelt und so hilflos ist 🙁

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Silke 16/07/2017 at 21:40

Mir gings au so.bei mir kam noch angst und panik dazu.

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Desiree 16/07/2017 at 22:22

Oh nein du arme. Da bin ich sehr froh, dass diese 2 Symptome bei mir aus blieben.

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Susi 16/07/2017 at 16:16

Super Beitrag 😊 du sprichst mir aus der Seele ❤️

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