Home Daily Life Torschlusspanik – Karriereziel vs. Familienplanung

Torschlusspanik – Karriereziel vs. Familienplanung

written by Desiree

Torschlusspanik – der Innere Kampf zwischen Karriereziele und Familienplanung

Ich bin nun 28 Jahre alt und so langsam kommt das Gefühl in mir auf, dass ich mir Gedanken über die Familienplanung machen sollte. Aber bin ich überhaupt schon bereit dafür? Ist man überhaupt irgendwann bereit dafür? Wacht man morgens auf und weiß: Okay, jetzt kann es los gehen? Oder ist es eher eine Entscheidung, die man mit dem Alter trifft? Ich weiß es nicht. Irgendwie fühle ich mich noch wie 20. Noch ganz am Anfang meines Lebens. Am Anfang meines Berufslebens.

Dazu kommt, dass der „Druck“ von aussenstehenden langsam spürbar wird. Man geht ja schließlich auf die 30 zu, hat den perfekten Partner an seiner Seite und finanziell würde man das auch schaffen. 

Der Fernweh – Gedanke

Wir sind jetzt 3 Jahre zusammen und haben noch viele Pläne. Unter anderem wollen wir noch sehr viel reisen. Eventuell sogar eine Weltreise machen. Passt da die Familienplanung rein? Natürlich werden wir auch mit Kind verreisen. Aber das was wir in den nächsten 2-3 Jahren planen, sind eher Rucksack-Reisen. Das können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit Kind vorstellen.

Der Selbstverwirklichungs- Gedanke

Derzeit befinde ich mich in einer kleinen beruflichen Krise. Mir macht mein Job nicht zu 100% Spaß. Was mich stark demotiviert. Zudem habe ich das Gefühl fest zu sitzen. Ich komme nicht weiter. Was mich zum Thema Torschlusspanik bringt. Ich habe Angst beruflich nichts erreicht zu haben, bis ich Kinder bekomme. Wo wir wieder bei dem Thema Selbstverwirklichung wären.

Ich möchte meine Sprach-Kenntnisse erweitern. Neue Kulturen kennenlernen. Meinen Horizont erweitern. Ich war 7 Jahre in einer Beziehung, die mich extrem eingeengt hat. Bei der ich nicht reisen konnte und all diese Dinge machen konnte. Ich habe dieses tiefe Bedürfnis, diese verlorenen Jahre nachzuholen. Und ich habe Angst, dass mir die Zeit dafür nicht reicht. Dass mir die Zeit nicht reicht, mich selbst zu verwirklichen und mit mir ins Reine zu kommen. 

Der Ziel Gedanke

Was sind den überhaupt meine Ziele, die ich erreichen möchte, beruflich wie privat, bis ich Kinder bekomme? 

Ich bin beruflich im Sales tätig und mein nächstes Ziel ist es, als Key Account Managerin tätig zu sein. Dafür brauche ich aber noch mehr Erfahrung im direkten Sale. Und das braucht Zeit. 

Noch dazu kommt, dass sich Jan erst selbstständig gemacht hat und noch sehr viel vor hat. Ich möchte ihn dabei so gut es geht unterstützen und den Rücken frei halten.

Außerdem möchte ich erst heiraten, bevor ich Kinder bekomme. Ich weiß, sehr altmodisch und traditionell. Aber mir ist das sehr wichtig.

Der „schlechte Mutter“ Gedanke

Kann man seine Karriereziele auch mit Kinder verwirklichen? Oder ist man dann nicht mehr die „perfekte Mutter“? Kann man eine gute Mutter sein und gleichzeitig erfolgreich im Job sein?

Oder geht dieses Gefühl vielleicht sogar weg, sobald man Mutter geworden ist? Stellt man dann seine eigenen Wünsche gerne hinten an? Ich kann mir das momentan noch nicht vorstellen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum mir dieses Thema Angst macht.

Der Ort Gedanke

Wo wollen wir unsere Kinder großziehen? Gibt es den perfekten Ort? Nah an der Familie? Auf dem Land oder eher in der Stadt?

Was wir definitiv wissen, ist, dass wir nicht in Frankfurt bleiben werden. Wir fühlen uns hier sehr wohl und leben auch gerne hier. Aber nicht auf Dauer. Wir suchen noch einen Ort mit mehr Lebensqualität. Jan möchte noch unbedingt im Norden von Deutschland leben. Was ich mir auch sehr gut vorstellen kann. Aber ist das der „perfekte“ Ort? 

Der Hashimoto Gedanke

Laut den Ärzten haben es Hashimoto Patientinnen schwerer, schwanger zu werden. Man muss damit rechnen, dass es einige Zeit dauert, bis man schwanger wird. Es gibt aber auch sehr viele Patientinnen bei denen es nicht klappt. Was mache ich denn, wenn ich so eine bin? 

Der „dicke-Bäuche-Umfeld“ Gedanke

Wenn ich alte Bekannte oder Freunde sehe, die gerade mitten in der Schwangerschaft sind oder schon Kinder haben, die zum Teil auch schon in die Schule gehen, frage ich mich: Fühlen die sich auch so? Haben sie die gleichen Gedanken? Sind sie glücklich, so wie es ist? Stimmt bei mir was nicht? 😉 

 

Ich habe verschiedene Ängste. Zum einen, dass ich meine beruflichen Ziele nicht erreiche, bevor ich ein Kind bekomme. Und mich das unglücklich machen könnte.

Zum anderen die Angst, dass ich vielleicht irgendwann zu „alt“ bin. Beziehungsweise, dass es vielleicht nicht mehr klappt.

Ihr merkt, ich habe tausend Fragen in meinem Kopf. Es ist sehr durcheinander in mir drin.

Wir wollen unbedingt Kinder. Da sind wir uns einig. Wir sind uns aber auch einig, dass das nicht in den nächsten 2-3 Jahren sein muss, da wir uns einfach noch nicht bereit dafür fühlen. 

Wir wollen unseren Kindern was bieten können. Und wir haben einfach das Gefühl, dass das momentan noch nicht so ist.

Zudem wollen wir noch etwas Zeit für uns zwei alleine haben.

Ist das zu egoistisch? Und wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen?

3 comments

Linda 06/10/2017 at 09:05

Hey Desiree,
ich bin gerade durch Zufall auf deine Zeilen gestoßen, und fühle mich mehr als angesprochen!
Zum beruflichen Teil kann ich sagen, dass ich fast dasselbe durchgemacht habe. Für mich ist es sehr Wichtig, mit beiden Beinen im Berufsleben zu stehen, da man heutzutage auch mal schnell (wieder) alleine lebt, und da will ich mir eine gewisse Unabhängigkeit und Sicherheit aufbauen. Das ist,wie ich finde nicht egoistisch sonder nur logisch vor Allem wenn man in Zukunft Kinder haben möchte.
Ich arbeite in einem technischen Beruf und habe vor Kurzem eine Weiterbildung abgeschlossen. Da ich mit meinem jetzigen Job auch unzufrieden bin, habe ich mich nach neuen Aufgaben umgeschaut. ABER, als junge Frau im gebärfähigen Alter in einem von Männern dominierten Beruf als Führungskraft zu arbeiten ist echt schwierig. Da sagen viele Personaler „Finger weg“. Dadurch kommt man aber dem Ziel „schon etwas erreicht zu haben“ vor der Familienplanung nicht wirklich näher. Gott sei Dank habe ich nun aber einen Chef, dem das egal ist und auf meine Fähigkeiten setzt, immerhin ist das Problem schon mal aus der Welt geräumt.
Der „Ziel-Gedanke“ ist etwas, was mich schon mein ganzes Leben begleitet, und mich leider auch schon in ein tiefes Loch gestoßen hat. Ich hatte mir erhofft, nach meinem letzten Abschluss würde ein großer Brocken von mir abfallen, aber so war es nicht. Mittlerweile denk ich, dass der Spruch „der Weg ist das Ziel“ unheimlich gut passt. Man versucht sich immer irgendwelche Ziele abzustecken, um sich beim Erreichen davon besser zu fühlen, oder von anderen gelobt zu werden. Was auf jeden Fall nicht schlecht ist, da jeder seine Ziele braucht! Aber danach sucht man sich neue Ziele, und die beschreiben für mich mittlerweile den Lebensweg, der sich einfach ständig ändert.
Ich bin seit anderthalb Jahren in einer wundervollen Beziehung und natürlich sind Kinder auch ein Thema. Wir sind gerade auch noch in der Situation, in Zweisamkeit Dinge erleben, Reisen und einfach so leben zu wollen. Trotzdem blitzt bei mir mittlerweile des Öfteren der Gedanke „wie machst du das mal mit Kind?“ auf. Ich weiß natürlich nie, ob sich meine Gefühlslage mal ändern wird, aber aktuell sind mein Partner und ich uns zum Glück einig, dass ich in den nächsten beiden Jahren erstmal arbeiten werde, und wir das Kinderkriegen entspannt angehen wollen, wenn es klappt ist es schön, falls nicht möchte ich mir aber nicht meine Beziehung dadurch kaputt machen – kommt ja leider auch immer wieder vor…
In meinem Umfeld haben in der letzten Zeit auch gefühlt Alle möglichen Paare Kinder bekommen. Und ich denke, dass viele dieses Situation kennen, dass man sich als Kinderlose wie das fünfte Rad am Wagen fühlt, wenn es darum geht wann das Kind seinen ersten Brei bekommt und wie der Schlafrhythmus ist. Vielleicht nervt mich das auch ein bisschen, weil ich mich – wie du – einfach noch nicht bereit dazu fühle.
Ich denke da relativ egoistisch, und versuche den Mamas dann klar zu machen, dass ich gerne über andere Themen reden möchte, was von der Mehrheit eigentlich positiv aufgenommen wird, da beispielsweise meine beste Freundin sagt, dass sie gerne über andere Themen redet, da Sie auch genug Mamas um sich hat die das Thema Kind abdecken 😉

Das Wichtigste ist, dass ihr das Thema in der Beziehung nicht verdrängt, und über eure Ängste redet. Und das Wörtchen „unbedingt“ macht so viel aus, beißt euch nicht darauf fest, und redet vielleicht auch über den Plan B, der hoffentlich nie eintreten wird!

Danke für die offenen Worte!
Viele Grüße,
Linda

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Ina Steinbrenner 02/10/2017 at 07:20

Hallo liebe Daisy. Ich kann deinen Artikel sehr gut nachvollziehen :-). Ich bin selber Mutter von zwei Kindern, 35 Jahre alt und arbeite als Teamleiterin in einem großen Industrie Unternehmen. Mein erstes Kind habe ich bekommen da war ich 26…. und lass dir sagen, alles geht mit Kind und zwar genau so wie du es willst. Mädels lasst Euch nicht verrückt machen von Klischees, macht einfach das was euch Spaß macht. Und mit Kindern habt ihr definitiv noch mehr Spaß. Meine Kinder waren und sind eine Bereicherung für mein Leben. Zum Thema reisen mit Kinder, schau mal auf meinem Blog vorbei 🙂 LG und kein Grund zur Panik, Ina.

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Marielle 01/10/2017 at 17:25

Hi Desiree,

danke für diesen sehr privaten Einblick in Dein Seelenleben 😉 Kann das vollkommen nachvollziehen – ich bin zwar noch bisschen jünger als Du. Aber ich mache mich sehr ähnliche Gedanken. Wir sind seit diesem Jahr verheiratet und schon 7 Jahre zusammen – wir wollen definitiv Kinder. Mein Mann lieber heute als morgen; ich bin eher etwas zögerlich, da ich sehr gerne arbeite und sehe, welche großen Schritte ich noch machen könnte – mit Kindern wird meine Karriere definitiv einen Knick bekommen. Wer weiß, ob ich dann überhaupt noch so arbeiten will und macht es dann nicht Sinn sich erst noch etwas mehr aufzubauen?
Aber zu lange warten will ich eben auch nicht…vom perfekten Ort und den dazupassenden Reisen mal ganz zu Schweigen.

Habe ebenfalls einen Blogartikel dazu verfasst, denke er passt recht gut zu Deinen Gedanken: http://beziehungs-investoren.de/karriere-und-kinder/

Liebe Grüße
Marielle

P.S. Mein Rat: Wartet einfach noch die 2-3 Jahre und schaut dann, wie es sich anfühlt 🙂

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