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Vertrauen lernen oder alleine bleiben?

written by Desiree

Das Leben besteht aus positiven und negativen Erfahrungen. Selbst in der Liebe muss man sich weiterentwickeln, dazu lernen und Rückschläge verkraften. Die Grundlage einer jeden neuen Liebesbeziehung ist das Vertrauen. Aber was, wenn das Vertrauen zu einer Person schon einmal erschüttert wurde?

Ist es fair, dem neuen Lebenspartner mit Mißtrauen zu begegnen oder sollte das volle Vertrauen gegeben sein? 

Auch ich musste einige Rückschläge verkraften. Wie bestimmt einige von uns. 

Ich lernte ihn mit 17 Jahren kennen. Er war 10 Jahre älter als ich. Für mich vollkommen absurd, mit so einem „alten“ Kerl was anzufangen. Aber er kämpfte um mich. Das imponierte mir. Und wie es nunmal kommen musste, verliebte ich mich Hals-über-Kopf in ihn. Dass diese Liebesbeziehung ein ständiges Auf und Ab werden würden, habe ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen können. Er trug mich auf Händen. Für mich war es Liebe.

Eines Abends, ich war mit meinen Mädels feiern, stand er urplötzlich im Club neben mir. Hat eine Eifersuchtsszene hingelegt und ich habe ihn einfach stehen lassen. Darauf hatte ich absolut keine Lust. Ca. 30 Min später kam meine beste Freundin auf mich zu und erzählte mir, dass an der Garderobe ein Mädel steht, die total heult wegen meinem Freund. Ich habe mir nichts schlimmes dabei gedacht, wollte aber wissen was da los war. Ich bin raus und suchte sie. Tja, was soll ich sagen. Sie war seine Affäre. Nachdem sie uns gesehen hatte, war ihr klar, dass sie nicht die einzige für ihn ist. 

Natürlich tat ihm das alles total Leid. Er wollte das nicht… blablabla.. Und so jung und dumm wie ich war, verzieh ich ihm nach ein paar Wochen. 

4 Jahre später.

Kurz nach meiner Abschlussprüfung der zweiten Ausbildung. Wieder ein Mädels-Abend. Dieses mal aber im Kino. Wir haben uns gerade hingesetzt. Kommt ein total verliebtes Paar rein und setzt sich neben mich. Ja, er war es. Mit seiner 2. Freundin. Als er realisiert hat wer neben ihm sitzt, sprang er auf, hat sie sitzen lassen und rannte raus. Ich natürlich hinterher. Als ich ihn eingeholt habe, fragte ich ihn, was das sollte. Seine Antwort war: „Du hast mir die letzten Monate wegen deiner Prüfung und dem Lernstress zu wenig Aufmerksamkeit gegeben.“ Booooomm!! Mitten ins Gesicht.

War das eigentlich sein beschissener ernst?? Ganz offensichtlich ja!

Er ließ mich stehen, rannte zu seinem Auto und raste weg. Dann stand Freundin Nr. 2 hinter mir. Und fragte mich, wer ich eigentlich bin. *lach* Sie erzählte mir, dass sie schon über 6 Monate zusammen sind, schon zusammen im Urlaub waren und ihre gemeinsame Wohnung planen. Schlimmer konnte es doch nicht mehr werden, oder? Nach ein paar Minuten mussten wir feststellen, dass wir die gleichen Geschenke zu Weihnachten, dem Geburtstag oder Valentinstag bekommen haben. Selbst die selben Blumen hat er uns geschickt. 

In diesem Moment hat es endlich Klick gemacht. 

Dieses Mädels ist übrigens immer noch bei ihm. Sie hat ihm wenige Tage später verziehen und mich doch tatsächlich per SMS gebeten, die Finger von ihm zu lassen. Meine Antwort darauf war nur: Den kannste geschenkt haben!!!

Was jetzt? Nun stand ich da. Alleine, betrogen und zutiefst traurig.

Konnte ich jemals wieder einem Mann vertrauen?

JA! Definitiv!

Ich werde ihm niemals vergeben können. Und das möchte ich auch nicht. Weil er für mich ein böser Mensch ist. Er hätte mir sagen können, dass er mich nicht mehr liebt und hätte mich verlassen können. Aber das wäre ja ein Zeichen von Stärke und Größe gewesen. Das besitzt er nicht. Er ist falsch und unehrlich. Aber deswegen werde ich nicht alle Männer über einen Kamm scheren. Kein Mensch hat es verdient, Vor-Verurteilt zu werden. Ich möchte auch nicht, dass das jemand bei mir macht. 

Natürlich war es das erste Jahr sehr schwer. Das muss ich zugeben. Ich war immer auf Abstand weil ich ständig Angst hatte, dass man mir gegenüber nicht ehrlich war. Und es war wirklich anstrengend. Ich habe mich total einschränken lassen von der Angst. Das hat mich wahnsinnig genervt.

Ist es wirklich fair meinem Gegenüber mit Mißtrauen zu begegnen? Wollte ich, dass man mir mißtraut? Für eine Sache mit der ich nichts zu tun habe? Nein, das will ich auf gar keinen Fall. Also darf ich es im Gegenzug auch nicht tun. Den das hat wirklich keiner verdient. 

Gott sei Dank kam diese Einsicht relativ schnell. Sonst wäre die Liebe meines Lebens an mir vorbei gegangen. Ich hätte sie wegen meiner Zweifel nicht an mich ran gelassen. Das wäre ein großer Fehler gewesen. 

Wir machen alle mal Fehler. Der eine mehr, der andere weniger. Und wir müssen lernen, damit umzugehen. Aber wir dürfen es nicht über uns herrschen lassen. 

Begegnet eurem Gegenüber mit Freude, Liebe und vollem Vertrauen. Er hat es verdient. Vielleicht werdet ihr noch einmal enttäuscht. Dann seht es als Prüfung des Lebens an. Steht danach wieder auf, richtet eure Krone und probiert es erneut. Ihr werdet dafür belohnt. Ganz bestimmt. 

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