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Work-Life-Balance oder Selbstverwirklichung

written by Desiree

Das Berufsleben hat großen Einfluss auf das Privatleben. Es bestimmt den täglichen Ablauf, die Freizeitgestaltung und das Innere sowie Äusserliche Wohlbefinden. Aus diesem Grund wird für die Generation Y die Work-Life-Balance immer wichtiger. 

 

Mir stellte sich vor einiger Zeit die Frage: Wonach will ich streben – die richtige Work-Life-Balance oder das Streben nach Selbstverwirklichung? 

 

Ich habe 2009 eine 3-jährige Ausbildung bei einem sehr großen Getränkehersteller absolviert und danach die Chance bekommen, in einer neuen Abteilung mitzuwirken. So konnte ich meine Ideen und meine Motivation, Neues zu entwickeln, im Category Management verwirklichen. Ich habe sehr viele Stunden gearbeitet, hatte wenig Freizeit, aber ich war sehr glücklich. Der Job hat mir total Spass gemacht, ich hatte ein super Team und einen sehr angenehmen Chef. Es war also alles perfekt.

 

Aber wie es nunmal in einem Konzern so ist, wurde nach 3 Jahren festgelegt, dass sich die Abteilung verkleinern muss. Da ich nicht verheiratet und keine Kinder hatte, war sofort klar, dass ich das Category Management verlassen muss. Leider wurde mir das nicht direkt gesagt. Mir wurde ans Herz gelegt, mich im direkten Verkauf zu bewerben, damit ich weitere Erfahrungen sammle um den Weg weiter nach oben zu ebnen. Für mich klang das erstmal simple, da ich erst kurz davor ein Mitarbeitergespräch mit unserem Verkaufsleiter hatte, indem wir meine Zukunft besprochen hatten. Wo er mich sieht und was ich mir so vorstelle. Dass das alles schon längst mit den Beteiligten abgesprochen war, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Ich wurde dann zu einem Vorstellungsgespräch geschickt, welches auch wirklich gut lief. Jetzt weiß ich auch, dass das nur reine Formsache war. Als ich die Stelle im Verkauf bekommen habe, hatte mich mein damaliger Chef nochmal um ein persönliches Treffen gebeten. Bei diesem Treffen hatte er mir dann eröffnet, dass er mich quasi zu dieser neuen Stelle überreden musste, weil diese Kürzung in unserem Team bevorstand. Es ist zwar sehr nett, dass er dafür gesorgt hat, dass ich in einer anderen Abteilung unter komme, aber diese heimlichen Machenschaften fand ich nicht so prickelnd. 

Naja, 2 Wochen später habe ich dann im Verkauf Außer-Haus-Markt angefangen. Ich war für unsere Gastronomie Kunden verantwortlich. Bestellungen einholen, neue Produkte vorstellen und jedes Problem lösen. Am Anfang war das auch alles total spannend. Es war was neues, viele verschiedene Aufgaben, engen Kundenkontakt. Eigentlich alles Dinge, die ich super finde. Und trotzdem wurde ich immer unglücklicher. Warum?

Ich hatte Gleitzeit und konnte mir meine Arbeitszeiten zumindest am Anfang frei einteilen. Dies wurde aber relativ schnell geändert. Die neue Strategie war, jeden Morgen im Büro ein Meeting zu halten. Ich fühlte mich dadurch schon eingeschränkt. Obwohl ich schon gegen 16 Uhr Feierabend machen konnte. Es gab für jede Situation einen Prozess. Ich konnte keine Entscheidung selbst treffen, da ich für alles eine Genehmigung von meinem Vorgesetzten brauchte. Ich habe einfach nur noch funktioniert. 

Was ist dann passiert!?

Ich hatte keine Lust zu nichts mehr. Mir wurde alles zu viel. Ausgehen, Freunde treffen, Sport machen usw… Dazu hatte ich nur noch selten Lust. Meine Couch war mein bester Freund. Ich habe wahnsinnig viel geschlafen. Ich war total schnell genervt von etwas und sehr reizbar. Dann kam dazu, dass ich alles gegessen habe. Ständig. War doch eh alles scheisse. Dann kommt es darauf doch auch nicht mehr an. Das Resultat: plus 10kg. Ganz toll. 

Irgendwann hat mein Freund gesagt: Jetzt ist Schluss. Werde dir klar was du willst. Willst du weiter rum jammern oder dir endlich klar werden, was du wirklich willst!?

Er hatte Recht. So konnte es einfach nicht weiter gehen. Ich musste mir klar werden, was ich eigentlich will. Was macht mir Spass, was will ich erreichen. Allein dieser Prozess und bis ich es endgültig wusste, dauerte bestimmt 3 Monate. Aber dann stand mein Entschluss fest. Ich musste kündigen! Es hatte mittlerweile nicht mehr nur was mit der Abteilung zu tun. Ich stand nicht mehr hinter der Firma. Also war es nur fair, einen Schlussstrich zu ziehen.

Was wollte ich eigentlich? Eine Work-Life-Balance oder wollte ich mich selbst verwirklichen?

Für mich ganz klar: Selbstverwirklichung!

Also war für uns beide sehr schnell klar, wir ziehen nach Frankfurt am Main. Dort habe ich mich bei einem Startup beworben. Perfekt für mich. Keine verankerten Abläufe, Regeln o.ä.. Man kann seine Ideen einbringen. Bei der Erstellung der Abläufe mitwirken. Kreativ sein, frei sein, Spass haben, nicht jeden Tag das gleiche. Es ist wunderbar. Und tatsächlich hat es funktioniert. Eine Bewerbung geschrieben und es hat direkt geklappt. 

An meinem ersten Arbeitstag habe ich sogar eine Schultüte von meinem Freund bekommen. Total süß <3

Ich arbeite jetzt viel mehr Stunden und ab und an auch am Wochenende. Es ist viel mehr Stress und deutlich anstrengender.  Aber ich bin glücklich. Und ist das nicht das wichtigste?

Schon in den ersten Tagen nach meinem Entschluss einen Neuanfang zu machen, bin ich buchstäblich aufgeblüht. Ich bin wieder Unternehmenslustig, Strahle am laufenden Band und bin einfach wieder ICH!

 

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